Gottesdienst am 18. Juli 2021
7. Sonntag nach Trinitatis
1. Könige 17, 1-16

Liebe Gemeinde!

Manchmal werfen die Ereignisse in der Welt einen Schatten auf den sonntäglichen Gottesdienst.
Angesichts der Flutkatastrophe mit weit mehr als 100 Toten, ganz vielen Verletzten und unzähligen zerstörten Existenzen denkt man sehr intensiv darüber nach, welche Botschaft der für heute vorgesehene Predigttext für uns haben könnte…

Der Text, der für heute dran ist, handelt ebenfalls von einer Naturkatastrophe. Allerdings von einer genau gegenteiligen zu der aktuellen, denn es geht um eine Dürreperiode.

Bevor ich den Text vorlese, möchte ich kurz die Hintergründe dazu erzählen.

In Israel herrschte König Ahab zusammen mit seiner Frau Isebel, die aus Phönizien stammte. Isebel hatte die Götter ihres Landes mit in die Ehe gebracht. Am wichtigsten: der Natur- und Wettergott Baal. Ihr Mann Ahab war sehr angetan von diesem Gott, denn anders als der Gott Israels durfte Baal als Statue abgebildet und in dieser Form auch angebetet werden. Er war also ein greifbarer und sichtbarer Gott, anders als der Gott Israels, der von Menschen nicht zu fassen war und der ausdrücklich verboten hatte, ihn darzustellen!
König Ahab ließ zu, dass überall im Land Statuen und Opferaltäre für Baal aufgestellt wurden. Und langsam, aber sicher wandten sich immer mehr Menschen in Israel dem Baalskult zu: Eine schöne Opfergabe für Baal und dass Wetter wird passen, die Ernte wird gut, das Vieh wird sich vermehren und die Familien gedeihen. So dachten immer mehr.

Der Prophet Elia sah diese Entwicklung mit Schrecken. Er sah, dass die Menschen sich auf eine Illusion verließen. Dass aufgrund der „Fehlsteuerung“ vom Königshaus sein Volk in Gefahr war, einen komplett den falschen Weg einzuschlagen.

Es kommt der Tag, da fühlt Elia sich von Gott berufen, dem König die Meinung zu sagen und ihm die Konsequenz seiner Politik vor Augen zu führen:
Das sich Verlassen auf den falschen Gott führt nicht etwa zum Segen, sondern zu einer großen Not für das Land. Elia kündigt dem König im Namen Gottes eine bedrohliche Dürreperiode an.

Lesung 1. Könige 17, 1-16

Elia kommt nach seiner Wüstenwanderung völlig erschöpft in Sarepta, im heutigen Libanon, an.
Aber auch die Frau, eine Witwe, die wahrscheinlich schon vor der Dürre nicht viel hatte, ist am Ende. Ihre Lebensmittelvorräte sind nach der langen Dürreperiode vollkommen erschöpft.
Eigentlich sind zu diesem Zeitpunkt alle Beteiligten am Ende ihrer Möglichkeiten. Und nach menschlichem Ermessen gibt es keinen Ausweg aus der Situation.

Wir wissen nicht, welchen Glauben die Frau in der Geschichte hatte, also welche Götter sie bis dahin verehrt hat.
Aber in der Begegnung mit Elia wird klar: Sie hat die Hoffnung auf Hilfe von ihren Göttern inzwischen aufgegeben. Denn sie sagt: „So gewiss der Herr, dein Gott, lebt“
Das heißt doch, sie spürt in irgendeiner Weise, dass Elia mit einem anderen, mit einem lebendigen Gott unterwegs ist.
Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, dass die Frau Elias Worten vertraut und ihm, einem abgerissen fremden Mann, aus ihren letzten Vorräten ein Brot backt. Ein Brot, das eigentlich für ihr Kind und für sie selbst bestimmt war.

Aber Elias Versprechen, das er im Namen seines Gottes gibt, bewahrheitet sich. Das Essen geht nicht aus. Niemand muss verhungern, auch nicht, als alles durch Drei geteilt werden muss. Auf wunderbare Weise werden die Mutter, ihr Kind und der fremde Gast jeden Tag satt.
Die Geschichte geht höchst dramatisch weiter, aber sie ist zu lang, um sie jetzt komplett zu bedenken.

Ich nehme das Ende vorweg: Elias Mission, sofern man das so nennen kann, verläuft erfolgreich. Es kommt zu einem finalen Wettstreit der Priester, die den Gott Baal verehren und Elia. Und es zeigt sich: Alle menschlichen Versuche, den Wettergott beeinflussen zu wollen, scheitern. Er tut einfach nicht, was seine Priester wollen…

Elia aber wendet sich mit folgenden Worten an Gott:
„Herr, Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs!
Heute sollen alle erkennen, dass du Gott in Israel bist! Lass sie sehen, dass ich in deinem Dienst stehe und in deinem Auftrag handle!
Antworte mir, Herr, antworte mir doch!
Dieses Volk soll erkennen, dass du, Herr, der wahre Gott bist!“

Was genau macht Elia?
Er bittet Gott, sich zu offenbaren. Er bittet Gott, seine Macht zu zeigen, damit das Volk sich von seinen falschen Gewissheiten, seinen Götzen verabschiedet und wieder offen wird für den einzigen, den lebendigen Gott.
Für den Gott, der nicht nur für das Wetter und die Fruchtbarkeit der Erde zuständig ist, sondern der alles, was ist, geschaffen hat und in seiner Hand hält.
Und der von sich gesagt hat: „Ich bin, der ich bin.“

Vielleicht, mit aller Vorsicht gesagt, gibt es ja gewisse Parallelen zu dem, was wir gerade erleben.
Auch wir erleben Wetterextreme. Dürrejahre, wie sie die Menschen damals erlebten. Zusätzlich aber auch Flutkatastrophen, Wirbelstürme – alles, was meteorologisch denkbar ist, scheint sich in den letzten Jahren zu ereignen.

Der Vergleich ist sicher weit hergeholt, aber die Menschen damals haben dem Götzen Baal Opfer gebracht und sich dann darauf verlassen, dass der schon alles richten wird.
Ganz vorsichtig gefragt: Kann es nicht sein, dass auch wir uns in den vergangenen Jahrzehnten ohne es zu merken immer mehr auf diverse höchst attraktive Götzen verlassen haben?
Sie heißen nicht mehr Baal, aber vielleicht Wirtschaftswachstum, technische Machbarkeit, medizinischer Fortschritt oder Weltmarkt. Vielleicht gibt es einen Götzen, der heißt „Alles ist machbar“, oder einen, der „Sicherheit“ heißt?

Kann es sein, dass auch wir versucht sind, auf die falschen Götter zu setzen, die aber doch nur menschengemacht sind und weder so mächtig noch so segensreich, wie wir es gerne glauben wollten?
Und dass wir uns, wie die Menschen, die auf ihr gutes Verhältnis zu dem Natur- und Wettergott vertraut haben, in der trügerischen Sicherheit gewiegt haben, ganz viel im Griff zu haben und weitestgehend abgesichert zu sein?

Das, was im Westen Deutschlands und in den umliegenden Ländern geschehen ist, zeigt uns, wie klein und wie ohnmächtig wir in Wirklichkeit sind.
Und dass wir im Grunde nichts im Griff haben… nicht unseren Besitz, nicht unsere Gesundheit, nicht die Sicherheit derer, die wir lieben. Und unser eigenes Leben auch nicht.

Was also können wir heute für uns mitnehmen?
Ich habe leider keinen einfachen Trost für uns.
Vielleicht lehrt uns die Katastrophe eine neue Demut; und neue Ehrfurcht vor den Kräften der Natur, die viel größer sind, als wir dachten. Die sich in diesem Fall als völlig unbeherrschbar erwiesen haben!

Ich möchte uns heute nur zwei Dinge ans Herz legen.
Das Eine ist das, was Elia getan hat. Der hat gerufen: „Herr, antworte mir doch! Sei da, zeige dich als der lebendige Gott, der alle Macht in den Händen hält!“

Und das Andere: Ich möchte uns die Worte des auferstandenen Christus in Erinnerung rufen, der seinen Jüngern versprochen hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“
Und der gesagt hat: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“

Ja, in der Welt haben wir Angst. Mit gutem Grund. So, wie selbst der große Gottesmann Elia Angst hatte, als er sich vor dem zornigen König verstecken musste.

Aber die Bibel sagt uns heute: Es gibt einen, der uns da hindurchbringt, egal, was passiert. Einen, in dem unser Leben und unser Sterben geborgen ist, unser Glück und unser Schmerz, das, was uns gelingt, aber auch unser Scheitern.
Und es gibt Hoffnung selbst dort, wo alles verloren scheint. Es gibt eine Hoffnung für diese Welt und darüber hinaus.

Das Neue Testament sagt: Es gibt nur einen Weg, und der heißt, an Jesus Christus, an Gott dranbleiben. Trotzdem. Auch, wenn es noch so schwer ist. Gerade dort, wo kein Licht zu sehen ist,
Ihn, den lebendigen Gott, nicht loslassen, auch dann nicht, wenn ich zweifle und wenn meine Hoffnung nur winzig klein ist.

Und dann als schwacher Mensch in seinem Namen das tun, was möglich ist, um die Not zu lindern und es in unserer Welt ein klein wenig heller zu machen.
Amen

Evangelisches Gesangbuch Nr. 374, 1,2,5 „Ich steh in meines Herren Hand“